Erdrad der fünf Elemente/Welten:
W = Schwarz - Erde / S = Rot - Pflanzen / N = Weiss - Luft / O = Gelb - Feuer
Z = Violett - Alles & Nichts
In nur 1 1/2 Jahren wurde die Auflage von 30'000 Exemplaren des Buches Rozpravky orlich pier - Siuxske rozpravky, Ella C. Delloria - Richard Erdoes, aus dem Hause Mladé letà in Bratislava, der ehemaligen CSFR, ausverkauft. Kein Wunder - oder doch? Wer die grandiosen Illustrationen von Mariàn Capka gesehen hat, der weiss: Da wird die Kinder- und Volksseele in direkter ungekünstelter Bildsprache angesprochen. Zwei Indigene der Sioux erzählen selbst die Märchen ihres Volkes. Der Indianer wird nicht als blutrünstiger Wilder, aber auch nicht als Oeko-Heiliger verkauft. Für einmal darf er Mensch sein. Charakter mit Stärken und Schwächen, wie sie wohl bei allen Völkern dieser Erde anzutreffen sind.
Von mehreren Besuchen in der gewesenen CFSR hinter dem eiserenen Vorhang, war ich es gewohnt, in den staatlichen Buchhandlungen eine exzellente Buchproduktion und Titelvielfalt, viele davon gar in mehreren Sprachen für den Export produziert, anzutreffen. Buchausstattung und speziell die Illustrationen hatten, dass muss einmal klar gesagt sein, ein sehr hohes künstlerisches Niveau! Die Kinderbuchproduktion gehörte zur Weltspitze. Bei meinen diversen Besuchen in der CFSR habe ich keine einzige Familie kennengelernt, in der nicht Bücher in auffallend grosser Zahl präsent waren. Autoren und Illustratoren wurden staatlich gefördert und die Buchpreise waren immer im Buch eingedruckt, d.h. landesweit verbindlich!
Beim Blick in das Schaufenster eines Bratislaver Buchladens entdeckte ich den Buchtitel: Ella C. Delloria - Richard Erdoes: Rozpràvky orlich pier - Siuxské rozpràvky. Illustrationen: Mariàn Capka.
Das Buch hat mich sofort durch den eigenwilligen, kraftvollen und zugleich vielschichtigen Illustrationsstil fasziniert. Eintreten und kaufen für damalige 33 Kronen war die logische Folge. Leider nur 1 Exemplar . . . Ein Fehler wie sich schon blad herausstellen sollte. Die Auflage von 30'000 Exemplaren war bereits nach 1 1/2 Jahren komplett ausverkauft. Trotz aller Bemühungen war kein einziges Exemplar mehr aufzutreiben. Auch nicht Antiquarisch. Wo immer ich nachfrage bedauerte man, hätte gerne noch mehr davon für den Verkauf gehabt . . .
Erst Zuhause in der Schweiz reifte dann ganz allmählich die Idee, den Künstler ausfindig zu machen, Mariàn Capka persönlich kennen zu lernen. Ich hoffte, wenigstens noch ein Teil der Originale anzutreffen, oder ev. gar etwas davon kaufen zu können.
Bei einem Blitzbesuch in Bratislave 1993 gelang es mir, mit meinem Freund Fratisek Kausitz, einem bratislaver Akad. Holzbildhauer, über den Herausgeberverlag Mladé letà in Kontakt zu kommen.
Ein Spontanentscheid führte uns anderntags über 200 km per Bahn nach Zilina in der Mittelslowakei und zurück. Es wurde für mich das Erlebnis! Ein Glücksfall, wie man ihn nur selten erlebt. Hoch über den Dächern von Zilina, im Atelier dass schon sein Vater genutzt hat, empfing uns der Illustrator und Künstler Mariàn Capka, in seiner freundlichen, bescheidenen und zurückhaltenden Art. Und was für ein Empfang: In einer Mappe waren noch alle für das Buch verwendeten Aquarelle vorhanden. der Dämpfer: Mariàn hat noch nie eine einzige Illustration von einem seiner vilen illustrierten Büchern verkauft. Sie alle sind bei ihm archiviert. Das Betrachten der Originale entschädigte für alle Bemühungen und war ein Genuss der Sonderklasse! Ich konnte mich kaum sattsehen. In etwa zweifacher Grösse der Bilder im Buch, übertrafen die Originale in ihrer Qualität meine Vorstellung bei weitem.Unglaublich präzis in den Details, mit sehr sensiblen, warmen Tonabstufungen sind die Aquarelle ein fast süchtig machender Genuss fürs Auge und Gemüt.
Kopierechte aller gezeigten Illustrationen: Mariàn Capka, Zilina/SLK
Der Illustrator Marian Capka, geboren 14. August 1950 in Zilina ist seiner Geburtsstadt bis Heute treu geblieben. Zusammen mit seiner Frau Anna haben sie hier ihre beiden Kinder, Martin und Dominika grossgezogen. Von 1965 bis 1969 besuchte er in Bratislava die Sekundarschule für das Kunstgewerbe. Anschliessend absolviert er die Akademie für Bildende Kunst und Design, die er 1977 mit einem Abschluss der freien Kunstgrafik und Illustration abschloss. Er war Schüler bei seinem Lehrer und Vorbild Albin Brunovsky. Eine freundschaftliche Verbindung die lebenslang gehalten hat. Albin Brunovsky gehört zu den in den letzten Jahren erfolgreichsten Künstlern der SLK im In- und Ausland. Wer ein Werk von ihm besitzt darf sich glücklich schätzen. Das Marian Capka ein Brunovsky-Schüler ist, kann er kaum leugnen. Er hat wie sein grosses Vorbild die gleiche, vielschichtige Ausdrucks- und Gestaltungsweise. Der Ursprung dieser Vielschichtigkeit muss wohl in der Mystik und Ursprünglichkeit der slowakischen Volksseele gesucht werden. Der unglaubliche erzählerische Reichtum dieser Kulturen findet hier seine bildnerischen Gestaltung. Natürlich hat Marian seinen eigenen, charakteristischen Stil entwickelt. Seit vielen Jahren arbeitet er, nebst einigen freien künstlerischen Arbeiten, fast ausschliesslich für die Buchillustration. Ganz besonders für Kinderbücher. Die Aufträge dazu wurden von staatlichen Buchverlagen in Auftrag gegeben. So hat Marian über zwei Jahre an den Illustrationen für das Indianer-Märchenbuch gearbeitet. Dazu hat er für die SLK-Post über ein Dutzend phantastische Briefmarken gestaltet und sich damit einen Namen gemacht. Ausserdem hat er während Jahrzehnten als Abwechslung und zur Einkommenssicherung nach der Öffnung an einer privaten Kunstschule in Zilina unterrichtet.
Marian illustrierte sowohl für inländische wie ausländische Verlage und Autoren und zählt damit zu den begehrten Illustratoren der slowakischen Kunstszene. Seine Bücher erschienen in der SLK, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Finnland, Russland, Polen , Jugoslawien, Ungarn, Kuba und Amerika. Für sein Indianer-Märchenbuch bekam er u.v.A. 1989 die Auszeichnung für das schönste Buch des Jahres! Seine Arbeiten wurden auch immer wieder in Ausstellungen und Galerien gezeigt.
Neben menschlicher Bescheidenheit fällt seine fast unglaubliche Hingabe und Sorgfalt für das Illustrationsthema auf. Seine Art der Darstellung und die künstlerische Ausdrucksform, seine Art der Darstellung von Realität bietet dem Betrachter ein Höchstmass von minunziösen Details und Wahrheit. Dabei ist der der ästhetisch-naturgetreue Charakter des Dargestellten niemals Selbstzweck. Vielmehr offeriert er dem Betrachter, ganz besonders dem Kind, die kostbare Erfahrung realer Fakten, mit der Möglichkeit, sich durch die künstlerische Sicht der Dinge fundiertes Wissen anzueignen. In dieser Hinsicht ist das bisherige Werk Marians ein Monument für qualitativ hochstehende Illustration. Das erklärt auch, warum seine Bücher immer sehr schnell vergriffen sind.
Kopierechte sämtlicher gezeigten Illustrationen: Marian Capa/SLK
Die indianische Existenz, im Guten wie im Bösen ist traumgeboren. Das Leben selbst wird als Traum verstanden. Kein anderes Volk hat wie die Indigenen Nordamerikas derart umfangreiches Wissen zum Umgang mit dem Traum! Das Ganze hat Wurzeln in der Mythologie. Mythen berichten von urzeitlichen Geschehnissen und archaischen Weltbildern. Es handelt sich meistens um eine hochpoetische, bis ins letzte Detail ausgearbeitete Reihe von Bildern. So ist den auch das Hauptcharakteristikum des Mythos seine figurative Gestalt. Genau das tut Marian Capka in seinen Illustrationen. Die mehrschichtige, räumlich gestaffelte Gestaltung kommt der traumgeborenen Realität, den Märchen sehr entgegen. Nicht Wissenschaftlichkeit, auch nicht wissenschaftliches Zeichnen sind gefragt. Vielmehr geht es um eine Reihe von Bildern, die in ihrer dichten Atmosphäre eine künstlerische Sicht mythisch-archaischen Geschehens ermöglichen. Genau das ist dem Künstler gelungen. Ohne es wahrscheinlich bewusst zu wollen, hat er hier das getan was man
im Sprachbereich Polysynthese nennt. Unter dem Antrieb des Augenblicks wird die Sprache gewissermassen auf der Zunge geboren. Eine Art Wortmalerei die eine unbegrenzt umfangreiche Vielfalt von Sprache ermöglicht. Genau das schafft Marian im Bildnerischen mit seinen diversen Traumebenen. Da treffen sich die slowakische und die indianische Traumwelt und schaffen einen neuen Mythos . . .
Nachdem wir uns also bereits Jahre kannten kam es irgendwann an den Punkt, wo ich Marian zaghaft fragte, ob er denn bereit wäre für unser Tipilager zu arbeiten. Ich hatte mir auch bereits einige Gedanken zu möglichen Projekten gemacht. Vorrangig war für mich Werbung für die Tipilager. Und wie bisher stellte ich mir das auf A5 Bildkarten vor, die unsere Lagerbesucher aus den Lagern verschicken können aber auch zum Auflegen und als Streumittel. Ich hatte auch schon eine Idee was darauf dargestellt sein sollte. Unser grossartiges, von Regula Bühler, Kobold verdankenswerter Weise geschaffenes Lagerschild, aber mit differenzierter Darstellung unserer in den Lagern aktiven Richtungs-Clans: W = Schlange - S = Schildkröte - N = Büffel - O = Adler. Bloss gab es da das grosse Problem, dass wir beide keine gemeinsame Sprache sprachen. Wie sollte ich da die komplexen Zusammenhänge der Erdradmedizin differenziert an Marian vermitteln? Die Lösung fanden wir mit Anna, der Frau von Marian. Sie unterrichtete die deutsche Sprache an der Universität
Zilina. Ihrem unermüdlichen Dolmetscher-Einsatz in Wort und Schrift verdanken wir die erfolgreiche Umsetzung unserer ambitionierten Projekte. An dieser Stelle möchte ich mich bei Anna einmal mehr ganz herzlich für ihren uneigennützigen Einsatz bedanken! Ihre Mails, Briefe, Notizzen füllen Dossiers. Ein unglaublicher Aufwand um immer wieder Details zu klären. Mindestens zwei Reisen waren nötig um die wichtigsten Projekte vor Ort im Detail zu besprechen. Zweimal habe ich die ganze Familie Capka zu mir in die Schweiz eingeladen. Was für intensive und tolle Begegnungen!
Beim zweiten Mal haben sie auch einige Tage im Tipilager in der Reusch verbracht und den ganzen Riesenbetrieb mit eigenen Augen sehen können. Zu unserer aller Schreck mussten sie miterleben wie uns ein gewaltiger Sturm am Vorabend vor Lagerschluss die halbe Lagerinfrastruktur zusammenlegte. 65'000.00 CHF Schäden waren die Folge. Von der Arbeit zur Aufarbeitung nicht zu sprechen. Auch eine Realität, die wir so nicht geplant hatten. Ihre solidarische Hilfe im Anschluss und die Betreuung der Kinder ist unvergessen!
Der zweite Auftrag von mir an Marian war das Erdrad mit den fünf Elementen als reine Darstellung der Elemente in den Richtungen. Beide Fassungen haben wir auch im wasserfesten Grossdruck auf Lastwagenblache in der Vermittlungsarbeit in den Lagern verwendet.
Der letzte Auftrag für Marian hatte seinen Grund im anstehenden 20 Jahre Jubiläum der Tipilager im Jahre 2010. Ich wollte ein A3 grosses Papier mit einert rahmenhaften Darstellung von allen unseren charakteristischen Elementen die das Tipilager auszeichnen. In seiner gewohnten Art mit Rahmen im Bild umzugehen, hat Marian ein weiteres Meisterwerk für uns geschaffen, das noch heute für spezielle Zwecke wie Auszeichnungen, Dank, Werbung etc. im Einsatz ist.
Es ist mir eine herzensangelegenheit mich zum Abschluss an dieser Stelle bei Marian für seine unerschütterliche Unterstützung in Zusammenarbeit mit seiner Frau Anna, für seine herausragenden Illustrationsarbeiten, die dem Tipilager-CH in unvergleichlicher Art gerecht werden, zu bedanken!
Ihr beide habt immer einen Platz in meinem Herzen und ich wünsche der ganzen Familie nur das Beste!
Peter Leo Kuhn
Kopierechte sämtlicher Tipilager-ch Sujets: Peter Leo Kuhn
Wer gerne mit Marian Capka in Kontakt treten möchte, melde sich bei uns.
Gerne vermitteln wir seine Adressdaten.